IPIM – In­cre­me­n­tal Pro­duct In­vest­ment Model

Kon­zept­pa­pier | Warum Or­ga­ni­sa­ti­o­nen zu früh zu gross in­ves­tie­ren – und wie ein an­de­rer Ent­scheid nach dem Vor­pro­jekt das än­dert.

Di­gi­ta­le Pro­duk­te schei­tern sel­ten an feh­len­den Fea­tu­res. Sie schei­tern daran, dass zu früh zu gross ent­schie­den wird – bevor die ent­schei­den­den An­nah­men über­prüft sind. IPIM ist ein Denk­mo­dell da­ge­gen: Nicht das Ge­samt­pro­jekt wird nach dem Vor­pro­jekt frei­ge­ge­ben, son­dern eine be­grenz­te In­ves­ti­ti­on in einen ers­ten pro­duk­ti­ven Kern, der Evi­denz für die nächs­te Ent­schei­dung er­zeugt.

Die­ses Pa­pier ist ein Dis­kus­si­ons­vor­schlag, kein fer­ti­ges Mo­dell. Es do­ku­men­tiert, wie ich über das Pro­blem denke – und lädt ein, es an­ders zu sehen.

Das Mus­ter

Viele di­gi­ta­le Vor­ha­ben wer­den pro­fes­si­o­nell vor­be­rei­tet. Ein Vor­pro­jekt klärt An­for­de­run­gen, Kon­zept, Busi­ness Case, Bud­ge­t­rah­men und tech­ni­sche Mach­bar­keit. Diese Ar­te­fak­te sind wich­tig. Aber sie be­ant­wor­ten vor allem eine Sorte von Fra­gen: die Pro­jekt­fra­gen. Ist es mach­bar? Ist es plan­bar? Ist es fi­nan­zier­bar?

Die Pro­dukt­fra­gen blei­ben offen: Wird das Pro­dukt im All­tag ge­nutzt? Ent­steht die er­war­te­te Wir­kung? Lässt sich die Ver­än­de­rung or­ga­ni­sa­to­risch tra­gen? Ist das Pro­dukt über sei­nen Le­bens­zy­klus wirt­schaft­lich trag­fä­hig? Das sind die Pro­duk­tri­si­ken – und sie las­sen sich nicht weg­pla­nen. Denn ein di­gi­ta­les Pro­dukt ist kein tech­ni­sches Ar­te­fakt, son­dern ein sozio-tech­ni­sches Sys­tem: Men­schen, Pro­zes­se, Or­ga­ni­sa­ti­on und Tech­nik grei­fen in­ein­an­der, und diese Wech­sel­wir­kun­gen ent­ste­hen erst, wenn das Pro­dukt lebt. Ein Vor­pro­jekt re­du­ziert Pro­jek­tri­si­ken. Die Pro­duk­tri­si­ken blei­ben be­ste­hen.

Trotz­dem wird nach dem Vor­pro­jekt meist das Ge­samt­pro­jekt frei­ge­ge­ben – auf Basis re­du­zier­ter Pro­jek­tri­si­ken und un­ge­prüf­ter Pro­duk­tri­si­ken. Scope, Bud­get, Ter­min und Er­war­tun­gen wer­den fi­xiert. Ab die­sem Mo­ment wird Ler­nen schwie­ri­ger, weil jede neue Er­kennt­nis den ur­sprüng­li­chen Ent­scheid in­fra­ge stellt. Wer nach sechs Mo­na­ten merkt, dass der gröss­te Wert an einer an­de­ren Stel­le liegt, stellt nicht eine Funk­ti­on in­fra­ge – son­dern den Busi­ness Case, das Bud­get und die Per­son, die bei­des un­ter­schrie­ben hat.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on ent­schei­det zu früh zu gross. Und macht aus of­fe­nen An­nah­men ver­bind­li­che Er­war­tun­gen.

Was dar­aus folgt

Busi­ness Cases wer­den auf Frei­ga­be­fä­hig­keit op­ti­miert, nicht auf Ehr­lich­keit. Nut­ze­n­an­nah­men müs­sen über­zeu­gend wir­ken, ob­wohl die Grund­la­ge un­si­cher ist. Kri­ti­sche Punk­te — Trans­for­ma­ti­ons­auf­wand, ne­ga­ti­ve Ne­ben­ef­fek­te, spä­te­re Be­triebs­kos­ten — blei­ben un­scha­rf, weil sie die Frei­ga­be er­schwe­ren wür­den. Wer die schöns­ten Ein­spa­run­gen rech­net, be­kommt Bud­get. Wer ehr­lich sagt «wir wis­sen es noch nicht», be­kommt keins.

Nach Go-Live wird die Wir­kung sel­ten über­prüft. Ge­lie­fert heisst nicht ge­nutzt. Ge­nutzt heisst nicht wirk­sam. Nach­bes­se­run­gen, Wor­k­a­rounds und nicht re­a­li­sier­ter Nut­zen wer­den spä­ter sicht­bar — aber sel­ten dem ur­sprüng­li­chen In­ves­ti­ti­ons­ent­scheid zu­ge­rech­net. Die Or­ga­ni­sa­ti­on weiss, was sie ge­baut hat. Sie weiss nicht, ob es sich ge­lohnt hat.

Zwei ty­pi­sche Mus­ter.

Ein B2B-Fall: Ein Un­ter­neh­men gibt nach einem Vor­pro­jekt CHF 1.2 Mio. für ein di­gi­ta­les Steu­e­rungs­tool frei. 18 Mo­na­te spä­ter ist es live, wird teil­wei­se ge­nutzt, die Wir­kung tritt zur Hälf­te ein. Nach­bes­se­run­gen kos­ten wei­te­re CHF 200'000 bis 300'000 — die nir­gends als Pro­jekt­kos­ten er­schei­nen. Mit einem be­grenz­ten ers­ten Kern hätte die Or­ga­ni­sa­ti­on nach sechs Mo­na­ten und CHF 350'000 ge­wusst, wo der tat­säch­li­che Wert liegt.

Ein in­ter­ner Fall: Ein Fach­be­reich lässt ein Self-Ser­vice-Por­tal für Mit­a­r­bei­ten­de bauen. Der Busi­ness Case ver­spricht Ent­las­tung des Sup­ports. Nach dem Rol­lout zeigt sich: Die Mit­a­r­bei­ten­den nut­zen das Por­tal für die ein­fa­chen Fälle — und rufen bei den kom­pli­zier­ten trotz­dem an. Der Sup­port ist nicht ent­las­tet, son­dern hat jetzt zwei Ka­nä­le zu be­die­nen. Ge­mes­sen hat das nie­mand. Das Por­tal gilt als Er­folg, weil es ge­lie­fert wurde.

Der an­de­re Ent­scheid

IPIM steht für In­cre­me­n­tal Pro­duct In­vest­ment Model. Der Name sagt be­reits, worum es geht – und worum nicht:

IPIM ent­wi­ckelt nicht Pro­duk­te schritt­wei­se.
IPIM trifft In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­de schritt­wei­se.


Das ist der Kern. Ite­ra­ti­ve Pro­dukt­ent­wick­lung gibt es längst – Scrum, MVPs, agile Re­leases. Was es in Pro­jek­tor­ga­ni­sa­ti­o­nen kaum gibt, ist ite­ra­ti­ve In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung: Das Bud­get wird ein­mal frei­ge­ge­ben, am An­fang, auf Basis der gröss­ten Un­si­cher­heit. IPIM dreht das um.

Der klas­si­sche Ent­scheid nach dem Vor­pro­jekt lau­tet: «Wir geben die Um­set­zung des Ziels­co­pes frei.»

Der IPIM-Ent­scheid lau­tet: «Wir geben einen be­grenz­ten ers­ten pro­duk­ti­ven Kern frei, der über­prüft, ob eine grös­se­re Fol­gein­ves­ti­ti­on ge­recht­fer­tigt ist.»

Da­hin­ter steht eine ein­fa­che Ri­si­ko­lo­gik. Ein Vor­pro­jekt re­du­ziert vor allem Pro­jek­tri­si­ken: Ist das Kon­zept mach­bar? Ist die Ar­chi­tek­tur trag­fä­hig? Stimmt die Pla­nung? Was es kaum re­du­ziert, sind Pro­duk­tri­si­ken: Wird das Pro­dukt ge­nutzt? Tritt die Wir­kung ein? Trägt die Or­ga­ni­sa­ti­on die Ver­än­de­rung mit? Diese Ri­si­ken las­sen sich nicht weg­pla­nen – sie las­sen sich nur im re­a­len Be­trieb über­prü­fen. IPIM ver­schiebt des­halb die gros­se In­ves­ti­ti­on hin­ter den Punkt, an dem die Pro­duk­tri­si­ken mess­bar re­du­ziert sind:

IPIM verschiebt grosse Investitionsentscheide dorthin, wo genügend Evidenz vorliegt.

Für alle, die Pha­­sen-Gate-Mo­­del­le ken­­nen, der ent­­schei­­den­­de Un­­ter­­schied: Klas­­si­­sche Gates ent­­schei­­den, ob ein Pro­jekt wei­ter­­läuft. IPIM-Gates ent­­schei­­den, ob eine wei­te­­re In­­­ve­s­ti­ti­on ge­recht­­fer­tigt ist. Das erste prüft Pla­­nungs­­rei­­fe. Das zwei­te prüft Evi­­denz – be­leg­te Wir­­kung, ge­­mes­­se­­ne Nut­­zung, reale Kos­ten.

Pro­jekt-Go­­ver­­­nance bleibt dabei er­ha­l­ten. Bu­d­­get, Ver­­ant­wor­tung, Re­­por­ting und Steu­e­rung funk­tio­­nie­ren wei­ter. Aber die erste gros­­se In­­­ve­s­ti­ti­on wird nicht als Um­­­set­­zung eines Ziel­­bilds ver­­­stan­­den, son­­dern als kon­trol­­lier­ter Schritt zur Re­­duk­ti­on von Un­­­si­cher­heit.

Die Pha­sen

IPIM nutzt eine ein­fa­che Pha­sen­lo­gik: Op­por­tu­ni­ty, Dis­co­ve­ry, MMP, Scale. Die Pha­sen sind nicht neu – neu ist die In­ves­ti­ti­ons­lo­gik da­hin­ter.

Op­por­tu­ni­ty prüft in Tagen, ob ein Pro­blem re­le­vant genug ist, um sys­te­ma­tisch un­ter­sucht zu wer­den. Es braucht keine Kos­ten­schät­zung, nur eine Grös­sen­ord­nung. Wer hier stoppt, hat fast nichts ver­lo­ren.

Dis­co­ve­ry re­du­ziert ge­zielt jene Pro­duk­tri­si­ken, die sich vor der Um­set­zung un­ter­su­chen las­sen: Pro­blem­ver­ständ­nis, Nut­zer­be­da­rf, Pro­zess­wir­kung, tech­ni­sche Mach­bar­keit. Nicht alles de­fi­nie­ren – genug ver­ste­hen, um ver­ant­wort­bar in einen ers­ten Pro­dukt­kern zu in­ves­tie­ren. Am Ende steht ein Bud­get­kor­ri­dor, keine Fix­zahl. Und Wir­kungs­hy­po­the­sen, die der erste Ein­satz über­prü­fen muss.

MMP ist der erste pro­duk­ti­ve Kern. In IPIM hat der Be­griff eine spe­zi­fi­sche Be­deu­tung: der kleins­te pro­duk­ti­ve Ein­satz, der aus­rei­chend reale Nut­zung er­zeugt, um eine In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung zu er­mög­li­chen. Das MMP ist nicht pri­mär ein Lie­fer­ob­jekt – es ist eine Evi­denz­ma­schi­ne. Es über­prüft jene Pro­duk­tri­si­ken, die Dis­co­ve­ry nicht er­rei­chen kann: tat­säch­li­che Nut­zung, tat­säch­li­che Wir­kung, tat­säch­li­che Be­triebs- und Ein­füh­rungs­kos­ten. Und die Phase endet nicht beim Go-Live: Sie um­fasst zwin­gend eine Be­triebs- und Mess­pha­se von zwei bis vier Mo­na­ten, denn erst der reale Be­trieb er­zeugt die Daten, die der nächs­te Ent­scheid braucht. Ein Ent­scheid di­rekt nach Go-Live ist wert­los – zu die­sem Zeit­punkt weiss die Or­ga­ni­sa­ti­on nur, dass ge­lie­fert wurde.

Scale kommt erst, wenn die Wir­kung be­legt ist. Und oft mit an­de­rem Fokus als ur­sprüng­lich ge­plant – weil die Mes­sung zeigt, wo der tat­säch­li­che Wert liegt.

An jedem Über­g­ang steht ein Gate mit drei Op­ti­o­nen: wei­ter in­ves­tie­ren, Rich­tung an­pas­sen, oder stop­pen. Stop­pen ist dabei kein Schei­tern. Es ist ein er­folg­rei­cher Ab­bruch, wenn da­durch eine grös­se­re Fehl­in­ves­ti­ti­on ver­hin­dert wird.

Evi­denz statt Be­haup­tung

Der Kern von IPIM ist nicht das Pha­sen­mo­dell – es ist die Evi­denz­lo­gik. Jede re­le­van­te Aus­sa­ge über Wir­kung, Kos­ten oder Nut­zen wird mit einer Evi­denz­stu­fe mar­kiert:

A – An­nah­me. Ba­siert auf Er­fah­rung, Ein­schät­zung oder Ana­lo­gie. Er­laubt in frü­hen Pha­sen, aber ex­pli­zit als An­nah­me de­kla­riert.

T – Teil­va­li­diert. Es gibt eine nach­voll­zieh­ba­re Quel­le: eine Stich­pro­be, eine Pro­zes­s­ana­ly­se, eine Nut­zer­be­ob­ach­tung, ein tech­ni­scher Spike. Nicht be­wie­sen, aber in­for­miert.

V – Va­li­diert. Es gibt reale Be­triebs­da­ten aus pro­duk­ti­ver Nut­zung. Nicht Work­shop-Feed­back, nicht Demo-Re­ak­ti­o­nen – ge­mes­se­ne Nut­zung, Pro­zess­zei­ten, Kos­ten im Be­trieb.

Die Evi­denz­stu­fe sagt nicht, ob eine Zahl stimmt. Sie sagt, ob je­mand hin­ge­schaut hat – und wie genau. Ein Ent­schei­dungs­do­ku­ment vol­ler A-Mar­kie­run­gen ist kein Feh­ler. Aber es zwingt das Gre­mi­um, be­wusst unter Un­si­cher­heit zu ent­schei­den, statt sich hin­ter Schein­ge­nau­ig­keit zu ver­ste­cken.

Und weil Selbst­ein­schät­zung in In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­den sel­ten neu­tral ist, gilt ein Grund­satz: Evi­denz wird nicht be­haup­tet. Evi­denz wird am Gate an­er­kannt – durch meh­re­re Per­spek­ti­ven ge­mein­sam, nicht durch das Pro­jekt­team al­lein. Die Mess­kri­te­ri­en wer­den fest­ge­legt, bevor der erste Kern ge­baut wird. Wer erst nach der Mes­sung ent­schei­det, wel­che Zah­len zäh­len, passt die Kri­te­ri­en an das ge­wünsch­te Er­geb­nis an.

Was IPIM kos­tet – und was nicht

IPIM ist kein Spa­r­pro­gramm. Mehr Dis­co­ve­ry kos­tet. Eine Mess­pha­se nach Go-Live kos­tet. Go­ver­nance an meh­re­ren Ent­scheid­punk­ten kos­tet. Der Weg zum vol­len Rol­lout kann län­ger dau­ern. Und ein ge­stopp­tes Vor­ha­ben hat Geld ver­braucht, ohne ein Pro­dukt zu lie­fern – auch wenn es eine grös­se­re Fehl­in­ves­ti­ti­on ver­hin­dert hat.

Der Nut­zen liegt wo­an­ders: in der Treff­ge­nau­ig­keit. Im klas­si­schen Ver­lauf wird ge­lie­fert, was spe­zi­fi­ziert wurde – auch wenn sich un­ter­wegs zeigt, dass die Spe­zi­fi­ka­ti­on am Be­da­rf vor­bei­geht. Mit IPIM wird nach jeder Phase über­prüft, ob die Rich­tung stimmt. Das Pro­dukt ist am Ende oft ein an­de­res als ge­plant. Aber eines, das tat­säch­lich ge­nutzt wird.

IPIM macht Vor­ha­ben nicht zwin­gend güns­ti­ger. Es macht Fehl­in­ves­ti­ti­o­nen frü­her sicht­bar – bevor sie gross wer­den.

Der schwie­rigs­te Punkt: Er­folg

Über Schei­tern zu spre­chen ist ein­fach ge­wor­den. Fail fast, fail early – die Spra­che exis­tiert. Wofür die Spra­che fehlt, ist der Tei­l­er­folg: ein ers­ter Kern, der gut genug funk­tio­niert, um nicht ge­stoppt zu wer­den, aber nicht gut genug, um sau­ber ska­liert zu wer­den.

Genau dort ent­steht die häss­lichs­te Phase vie­ler Di­gi­tal­pro­jek­te. Man hört nicht auf, aber man baut auch nicht rich­tig wei­ter. Man «sta­bi­li­siert» und «op­ti­miert» – Be­grif­fe, die be­schö­ni­gen, dass der ur­sprüng­li­che Plan nicht ge­stimmt hat. Ein Neu­start trotz lau­fen­dem Sys­tem ist po­li­tisch schwie­ri­ger als ein frü­her Ab­bruch.

Mit ge­ne­ra­ti­ver Ent­wick­lung ver­schärft sich das Pro­blem: LLM-Tools er­zeu­gen in Wo­chen pro­duk­tiv wir­ken­de Pro­to­ty­pen, deren Fun­da­ment für ech­ten Be­trieb nie ge­dacht war. Sie er­zeu­gen Nut­zen, bevor ihre Be­triebs­fä­hig­keit ge­klärt ist. Nie­mand will etwas weg­wer­fen, das sicht­bar Wert er­zeugt – und genau das ist die Falle.

Des­halb die viel­leicht wich­tigs­te These des Mo­dells:

IPIM muss nicht nur Schei­tern ent­po­li­ti­sie­ren, son­dern auch Er­folg dis­zi­pli­nie­ren.

Was IPIM nicht löst

IPIM ist kein All­heil­mit­tel, und es wäre un­ehr­lich, das zu ver­schwei­gen.

Es setzt eine Füh­rungs­kul­tur vor­aus, in der Evi­denz schwe­rer wiegt als Po­li­tik. Wenn Vor­ha­ben aus po­li­ti­schen Grün­den wei­ter­lau­fen müs­sen, ver­lie­ren Gates ihre Wir­kung – egal wie gut die Logik ist. Das ist keine Me­tho­den­fra­ge, son­dern eine Macht­fra­ge.

Es braucht Mess­fä­hig­keit. Ohne Nut­zungs­da­ten, Pro­zess­da­ten und Sup­port­da­ten bleibt die Evi­denz schwach – und die Mess­pha­se wird po­li­tisch statt sach­lich.

Und es braucht je­man­den, der nach Go-Live noch da ist. Eine Per­son mit Bud­get- und Stopp­man­dat, die den Busi­ness Case über den Le­bens­zy­klus ver­ant­wor­tet – nicht ein Pro­jekt­lei­ter, der ab­lie­fert und wei­ter­zieht. In den meis­ten Pro­jek­tor­ga­ni­sa­ti­o­nen exis­tiert diese Rolle nicht. Ohne sie bleibt jedes In­ves­ti­ti­ons­mo­dell auf hal­b­em Weg ste­hen.

Wo das Mo­dell steht

IPIM ist ein Kon­zept in Ent­wick­lung – ent­stan­den aus wie­der­keh­ren­den Be­ob­ach­tun­gen in di­gi­ta­len Vor­ha­ben, ge­schärft durch meh­re­re kri­ti­sche Feed­back-Run­den, noch nicht als Gan­zes in der Pra­xis er­probt. Die ein­zel­nen Bau­stei­ne sind es: Pha­sen-Gate-Logik, Pro­duct Dis­co­ve­ry, Out­co­me-Steu­e­rung und evi­denz­ba­sier­te In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­de exis­tie­ren seit Jah­ren. Neu ist die Kom­bi­na­ti­on – und die Ver­schie­bung des Blicks: weg von der schritt­wei­sen Pro­dukt­ent­wick­lung, hin zur schritt­wei­sen In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung. Damit ist IPIM ein Go­ver­nance-Mo­dell, kein Ent­wick­lungs­an­satz: Es kon­kur­riert weder mit Scrum noch mit De­sign Thin­king oder SAFe – es be­ant­wor­tet eine Frage, die diese An­sät­ze of­fen­las­sen: Wie tref­fen Or­ga­ni­sa­ti­o­nen bes­se­re In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­de unter Un­si­cher­heit?

Die zen­tra­le Frage lau­tet nicht, ob IPIM als Mo­dell ein­ge­führt wird. Sie lau­tet: Gibt es in Ihrer Or­ga­ni­sa­ti­on di­gi­ta­le Vor­ha­ben, bei denen nach einem Vor­pro­jekt eine gros­se Um­set­zung frei­ge­ge­ben wird, ob­wohl zen­tra­le Pro­duk­tri­si­ken noch nicht über­prüft sind?

Wenn ja – dann lohnt sich die Dis­kus­si­on.

Wer tie­fer ein­stei­gen will: Das voll­stän­di­ge IPIM-Kon­zept­pa­pier [PDF] – mit Gate-Logik, Be­wer­tungs­di­men­si­o­nen, Evi­denz-Go­ver­nance und Ein­füh­rungs­pfad – steht zum Dow­n­load be­reit.