Pro­blem­Draft – Erst­ge­sprächs­me­tho­de

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Pro­blem­Draft struk­tu­riert das Erst­ge­spräch ent­lang drei­er Per­spek­ti­ven — Busi­ness, Tech­nik, Pro­jek­ter­war­tun­gen — und hält jede Aus­sa­ge zu­erst als An­nah­me fest. Ein­ge­setzt im Kick­off, mo­de­riert vom Be­ra­ter, ge­mein­sam mit dem Auf­trag­ge­ber in Echt­zeit aus­ge­füllt.

Was ist Pro­blem­Draft

Pro­blem­Draft ist eine struk­tu­rier­te Erst­ge­sprächs­me­tho­de, die die wich­tigs­ten Star­t­an­nah­men aus Busi­ness, Tech­nik und Pro­jekt­lo­gik sicht­bar macht. Sie setzt im frü­hen Pro­blemSpace an – in der Phase, in der Pro­blem, Kon­text, Ri­si­ken und An­nah­men ver­stan­den wer­den, bevor eine Lö­sung de­fi­niert wird. Damit er­wei­tert sie die Grun­d­i­dee des Proto-Pro­blem-State­ments um die Re­a­li­tät, in der di­gi­ta­le Vor­ha­ben tat­säch­lich star­ten: ein­ge­bet­tet in be­ste­hen­de Sys­te­me, Er­war­tun­gen und Vor­ga­ben.

Wann. Im Kick­off oder Erst­ge­spräch eines Pro­jekts – bevor An­for­de­run­gen, Lö­sun­gen oder Pläne for­mu­liert wer­den.

Wer. Der Be­ra­ter mo­de­riert, der Auf­trag­ge­ber lie­fert die Aus­sa­gen.

Wie. Im Re­gel­fall wird Pro­blem­Draft ge­mein­sam mit dem Auf­trag­ge­ber im Ge­spräch aus­ge­füllt, in Echt­zeit. Das ist die stär­ke­re Va­ri­a­n­te, weil Lü­cken, Wi­der­sprü­che und un­aus­ge­spro­che­ne An­nah­men di­rekt sicht­bar wer­den. Al­ter­na­tiv füllt der Be­ra­ter das Ras­ter nach dem Ge­spräch für sich, um die mit­ge­brach­te Sicht zu sor­tie­ren. Beide Wege sind gül­tig; der ge­mein­sa­me deckt mehr auf.

Warum. Das Er­geb­nis ist keine fer­ti­ge Pro­blem­stel­lung, son­dern eine struk­tu­rier­te An­nah­men­ba­sis: sicht­bar ge­macht, was heute an­ge­nom­men wird. Der ei­gent­li­che Wert liegt im Sicht­ba­r­wer­den der Lü­cken – wo die Auf­trags­an­nah­me un­voll­stän­dig ist, wo Er­war­tun­gen un­aus­ge­spro­chen blei­ben oder wo ein Lö­sungs­an­satz im Raum steht, der nicht auf das be­schrie­be­ne Pro­blem passt.

Ein­satz­kon­text. Pro­blem­Draft zahlt sich aus, wenn ein Vor­ha­ben nicht auf der grü­nen Wiese star­tet – Mo­der­ni­sie­rung be­ste­hen­der Fachap­pli­ka­ti­o­nen, Ab­lö­sung alter Sys­te­me, B2B-Pro­duk­te mit ge­wach­se­ner Sys­tem­land­schaft, viele Sta­ke­hol­der, hoher Zeit­druck. Bei einem kom­plett neuen Pro­dukt ohne be­ste­hen­de Sys­te­me ist die Me­tho­de über­di­men­sio­niert; dort reicht das klas­si­sche Proto-Pro­blem-State­ment.

Die drei Per­spek­ti­ven

Jede Per­spek­ti­ve hat ihre ei­ge­nen Ru­bri­ken — kein ein­heit­li­ches Ras­ter über alle drei hin­weg.

BUSI­NESS-SICHT TECH­NI­SCHE SICHT PRO­JEK­TER­WAR­TUN­GEN
User Tech­ni­sche Ba­se­li­ne Ziel­bild / Busi­ness Out­co­mes
Pro­blem Tech­ni­sche Pro­ble­me Pro­jek­ter­war­tun­gen
Ziel Tech­ni­sche Lö­sungs­rich­tung Mi­le­sto­nes
Lö­sungs­an­satz Ab­hän­gig­kei­ten / Li­mi­tie­run­gen Kos­ten / Auf­wand
Sta­ke­hol­der Ri­si­ken
Ri­si­ko


Was auf den Kar­ten steht

Jede Ru­brik wird mit kur­z­en Ein­trä­gen ge­füllt — eine Karte pro Aus­sa­ge. Ein Ein­trag ist ein Stich­wort oder ein knap­per Satz, keine Aus­for­mu­lie­rung. So sieht das am Bei­spiel Spe­sen­er­fas­sung aus.


Beispielhafte Erfassung der Business-Annahmen im Erstgespräch: User, Problem, Ziel, Lösungsansatz, Stakeholder, Kontext und Risiken werden sichtbar getrennt.

Beispielhafte Erfassung der technischen Annahmen: Systemlandschaft, Schnittstellen, Abhängigkeiten, Lösungsrichtung und technische Risiken werden strukturiert festgehalten.

Zielbild, Meilensteine, Budgetannahmen und Projekterwartungen werden sichtbar festgehalten.

Die Busi­ness-Kette

Die ers­ten vier Ru­bri­ken der Busi­ness-Sicht – User, Pro­blem, Ziel, Lö­sungs­an­satz – hän­gen zu­sam­men. Sie bil­den eine Kette, kein loses Ne­ben­ein­an­der:

 User ──▶ Pro­blem ──▶ Ziel ──▶ Lö­sungs­an­satz

 Ein User hat meh­re­re Pro­ble­me.
 Jedes Pro­blem kann meh­re­re Ziele haben.
 Das Ziel ist aus dem Pro­blem ab­leit­bar.
 Der Lö­sungs­an­satz kommt zu­letzt – und ist nur eine Hy­po­the­se.

Diese Rei­hen­fol­ge ist be­wusst: Erst der User, dann sein Pro­blem, dann das Ziel, das sich aus dem Pro­blem ab­lei­tet – und erst da­nach der Lö­sungs­an­satz. Wird der Lö­sungs­an­satz vor­ge­zo­gen, be­schreibt das Ras­ter eine Lö­sung, bevor das Pro­blem steht.

Die Kette von links nach rechts zu lesen, prüft, ob die Ge­dan­ken des Auf­trag­ge­bers in sich schlüs­sig sind: Löst der Lö­sungs­an­satz wirk­lich das Ziel, das aus dem Pro­blem die­ses Users ent­steht?

Mit­a­r­bei­ten­de
  → Be­le­ge gehen ver­lo­ren
      → Ziel: keine ver­lo­re­nen Be­le­ge
          → App mit Be­legs­can            ✓ Lö­sung trifft Pro­blem, Nut­zen beim User

Buch­hal­tung
  → ma­nu­el­le Kos­ten­stel­len-Prü­fung
      → Ziel: we­ni­ger Nach­a­r­beit
          → App mit Be­legs­can            ? Lö­sung trifft die­ses Pro­blem nicht

Mit­a­r­bei­ten­de
  → Frei­ga­ben un­ein­heit­lich (Pro­blem des Ma­nage­ments)
      → Ziel: prüf­ba­re Com­pli­ance
          → strik­ter Frei­ga­be-Work­flow   ⚠ User trägt die Last ohne Ei­gen­nut­zen

Drei Les­ar­ten, drei Er­geb­nis­se. Die erste ist schlüs­sig: Die Lö­sung trifft das Pro­blem, und der User hat selbst etwas davon. Die zwei­te wa­ckelt: Die App scannt Be­le­ge, prüft aber keine Kos­ten­stel­len – der Lö­sungs­an­satz be­ant­wor­tet die­ses Pro­blem nicht.

Die drit­te ist die wich­tigs­te. Hier trägt ein User die Last einer Lö­sung, die das Pro­blem eines an­de­ren löst – des Ma­nage­ments, nicht sei­nes. Er hat kei­nen Ei­gen­nut­zen. Wenn ein Nut­zer ein frem­des Pro­blem lösen muss, ohne selbst etwas davon zu haben, wird die Ein­füh­rung zum or­ga­ni­sa­to­ri­schen Zu­satz­auf­wand: Das Fea­ture muss durch­ge­setzt wer­den, weil der Ei­ge­n­an­trieb fehlt. Die Kette macht das sicht­bar, bevor das Fea­ture ge­baut ist.


Ein Lö­­sungs­­an­­satz, der auf kein er­fass­tes Pro­blem zu­rü­ck­­führ­­bar ist, ist ein Warn­­si­­gnal – keine An­­for­­de­rung.

Durch­füh­rung

Rei­hen­fol­ge. Mit der Busi­ness-Sicht be­gin­nen — User, Pro­blem, Ziel, Lö­sungs­an­satz, da­nach Sta­ke­hol­der, Kon­text, Ri­si­ko. Dann die Tech­nik, zu­letzt die Pro­jek­ter­war­tun­gen. Erst klä­ren, was und für wen, dann womit, dann unter wel­chen Er­war­tun­gen.

Nicht jede Ru­brik muss ge­füllt wer­den. Eine leere Ru­brik ist selbst ein Si­gnal — sie zeigt, wo im Erst­ge­spräch nichts auf dem Tisch lag.

Lö­sungs­sprung. Nennt der Auf­trag­ge­ber so­fort die Lö­sung, wird sie als Ein­trag unter Lö­sungs­an­satz fest­ge­hal­ten — nicht ab­ge­würgt. Da­nach zu­rück zu Pro­blem und Ziel. Die Karte bleibt, be­kommt aber den Sta­tus einer An­nah­me.

Park­platz. Alles, was spä­ter ge­klärt wer­den muss oder erst in den Lö­sungs­raum ge­hört, kommt in die Ru­brik No­ti­zen. Nicht weg­dis­ku­tie­ren, aber jetzt auch nicht ver­tie­fen.

Rah­men. 60–90 Mi­nu­ten, ge­mein­sam, das Ras­ter für alle sicht­bar. Pro­blem­Draft braucht kei­nen ei­ge­nen Work­shop-Slot; es struk­tu­riert den Ter­min, den es oh­ne­hin gibt.

Ru­brik-Fra­gen (Re­fe­renz)

Per­spek­ti­ve Ru­brik Frage
Busi­ness User Wer nutzt das Pro­dukt oder ist vom Pro­blem be­trof­fen?
Busi­ness Pro­blem Wel­cher Schmerz be­steht aus Busi­ness-Sicht?
Busi­ness Ziel Wel­che Wir­kung soll für User und Pro­zess er­reicht wer­den?
Busi­ness Lö­sungs­an­satz Wel­che erste Idee exis­tiert?
Busi­ness Sta­ke­hol­der Wer ist be­tei­ligt oder ent­schei­det mit?
Busi­ness Kon­text Markt, Or­ga­ni­sa­ti­on, Re­gu­la­to­rik.
Busi­ness Ri­si­ko Was ge­fähr­det das Vor­ha­ben aus Busi­ness-Sicht?
Tech­nik Tech­ni­sche Ba­se­li­ne Wie sieht die ak­tu­el­le Sys­tem­land­schaft aus?
Tech­nik Tech­ni­sche Pro­ble­me Wel­che tech­ni­schen Schwä­chen sind be­kannt?
Tech­nik Tech­ni­sche Lö­sungs­rich­tung Wel­che Ar­chi­tek­tur wird an­ge­nom­men?
Tech­nik Ab­hän­gig­kei­ten / Li­mi­tie­run­gen Was be­grenzt den Lö­sungs­raum?
Tech­nik Ri­si­ken Wel­che In­te­gra­ti­ons­ri­si­ken be­ste­hen?
Pro­jekt Ziel­bild / Busi­ness Out­co­mes Wel­chen mess­ba­ren Er­folg soll das Vor­ha­ben für das Un­ter­neh­men lie­fern?
Pro­jekt Pro­jek­ter­war­tun­gen Wel­che Vor­stel­lung be­steht zu Vor­ge­hen, Qua­li­tät, Tempo?
Pro­jekt Mi­le­sto­nes Wel­che zeit­li­chen Eck­punk­te ste­hen im Raum?
Pro­jekt Kos­ten / Auf­wand Wel­che Bud­ge­t­an­nah­men exis­tie­ren?


Was am Ende ent­steht

Nach dem Erst­ge­spräch hat das Team eine sor­tier­te An­nah­men­ba­sis: sicht­ba­re An­nah­men aus Busi­ness, Tech­nik und Pro­jekt­lo­gik, er­kann­te Lü­cken und Wi­der­sprü­che, erste Ri­si­ko­hin­wei­se.

 Kick­off / Erst­ge­spräch
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     Pro­blem­Draft
  (3 Per­spek­ti­ven,
   alles An­nah­me)
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 Pro­blem State­ment · Sta­ke­hol­der-Ana­ly­se · Sys­tem Lands­ca­pe · Hy­po­the­sen

Diese Basis speist die nächs­ten Ar­te­fak­te. Pro­blem­Draft macht im­pli­zi­te An­nah­men ex­pli­zit, trennt Pro­ble­m­an­nah­men von Lö­sungs­an­nah­men und bil­det die Grund­la­ge für ge­ziel­te Va­li­die­rung.

Aus dem ge­füll­ten Ras­ter lässt sich zudem ab­le­sen, auf wel­cher Flug­hö­he es wei­ter­geht: Vi­si­on & Mach­bar­keit, wenn die Lü­cken zwi­schen Pro­blem, Ba­se­li­ne und Lö­sungs­rich­tung noch gross sind; Kon­zept & Pro­dukt­de­fi­ni­ti­on, wenn das Pro­blem steht, der Lö­sungs­raum aber noch ge­schärft wer­den muss; Um­set­zung, wenn Pro­blem, Ziel und Lö­sungs­rich­tung trag­fä­hig und die An­nah­men weit­ge­hend va­li­diert sind.