UFMn – drei Jahre spä­ter:
Was funk­tio­­niert, was nicht und warum ich trotz­­dem dabei blei­­be

Methoden & Modelle

2023 habe ich UFMn der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt. Was da­mals als jah­re­lan­ge Ei­gen­ent­wick­lung be­gann – viel Aus­pro­bie­ren, viel Ver­wer­fen, viele Pro­jek­te – hat sich seit­her wei­ter­ent­wi­ckelt.

Durch Feed­back von an­de­ren UX De­si­g­nern. Und spä­ter in enger Zu­sam­me­n­a­r­beit mit San­dra Hohl, die vor allem die No­ta­ti­on in Figma grund­le­gend wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Das Er­geb­nis ist eine ei­ge­ne Web­si­te, eine Figma Li­bra­ry in Ver­si­on 3.0 und eine Me­tho­de, die un­ter­des­sen in vie­len Teams pro­duk­tiv ein­ge­setzt wird.

Höchs­te Zeit für einen ehr­li­chen Zwi­schen­be­richt.

Was sich ver­än­dert hat

UFMn ist nicht mehr das, was es bei der Erst­ver­öf­fent­li­chung war – und das ist gut so.

Die Grund­aus­rich­tung ist die­sel­be ge­blie­ben: eine ge­mein­sa­me No­ta­ti­on für User­flows, die nicht nur UX De­si­g­ner ver­ste­hen sol­len, son­dern alle Be­tei­lig­ten. Ent­wick­ler, Pro­duct Owner, Busi­ness Ana­lys­ten. Was sich ver­än­dert hat, ist die Reife. Die No­ta­ti­on ist kon­sis­ten­ter, die Li­bra­ry bes­ser struk­tu­riert, die An­wen­dungs­fäl­le brei­ter do­ku­men­tiert.

Und vor allem: Mehr Men­schen ar­bei­ten damit. Un­ter­des­sen nut­zen zahl­rei­che UX De­si­g­ner – und damit auch die ent­spre­chen­den Ent­wick­lungs­teams – diese No­ta­ti­on. Eine Me­tho­de setzt sich nicht durch weil sie per­fekt ist, son­dern weil sie ver­läss­lich genug ist, damit meh­re­re Men­schen dar­auf auf­bau­en kön­nen.

Die grös­se­re Frage stellt sich erst jetzt – mit KI-Tools wie Figma Make auf dem Vor­marsch. Aber dazu spä­ter mehr.

Was wirk­lich funk­tio­niert

Die No­ta­ti­on ist bei jedem Pro­jekt eine Her­aus­for­de­rung. Das war so, das bleibt so – mit oder ohne UFMn.

Was UFMn än­dert: Ich muss die Struk­tur nicht jedes Mal neu er­fin­den. Es gibt ein Mus­ter, dem ich ver­trau­en kann. Ein Aus­gangs­punkt, der funk­tio­niert. Das klingt nach wenig, spart aber in der Pra­xis er­staun­lich viel Ener­gie – ge­ra­de in der frü­hen Pro­jekt­pha­se, wo so­wie­so alles gleich­zei­tig pas­siert.

Dazu kommt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Ar­gu­ment, das nach wie vor stimmt: Wer einen gut ge­mach­ten UFMn-Flow vor sich hat, ver­steht schnel­ler was ge­meint ist. Mee­tings wer­den kür­zer. Miss­ver­ständ­nis­se wer­den frü­her sicht­bar. Die Me­tho­de zwingt einen an­ders zu den­ken – weg vom Screen, hin zum Pro­zess.

Was nach wie vor Dis­zi­plin braucht

Bei klei­nen, über­schau­ba­ren Pro­jek­ten funk­tio­niert UFMn fast von al­lei­ne. Bei gros­sen, chao­ti­schen Pro­jek­ten – genau dort wo man es ei­gent­lich am meis­ten bräuch­te – ist es trotz­dem nicht immer ein­fach, die Files ak­tu­ell zu hal­ten.

Das ist keine Kri­tik an der Me­tho­de. Das ist eine ehr­li­che Be­ob­ach­tung über Pro­jek­tre­a­li­tät. Wenn sich An­for­de­run­gen schnell än­dern, lei­det die Do­ku­men­ta­ti­on als ers­tes. Man muss dann immer wie­der zu­rück­schau­en, nach­füh­ren, auf­räu­men. Das braucht Dis­zi­plin – und die kommt nicht aus einer Li­bra­ry, son­dern aus einer Pro­jekt­kul­tur.

Un­term Strich rech­net es sich trotz­dem. Wer mit UFMn ar­bei­tet, ist am Ende schnel­ler als wer es nicht tut.

Die of­fe­ne Frage: UFMn und KI

UFMn ist eine struk­tu­rier­te, re­gel­ba­sier­te No­ta­ti­on. Genau das, was KI-Sys­te­me ei­gent­lich gut ver­a­r­bei­ten könn­ten – wenn man sie lies­se. Und genau da fängt das Pro­blem an.

Ge­ra­de wenn ich an Figma Make denke, ver­mis­se ich etwas.

Figma Make hat eine tex­tu­el­le KI-Schnitt­stel­le. Keine flow-ba­sier­te. Das be­deu­tet: ich kann der KI nicht zei­gen, wo was wie funk­tio­niert. Ich kann kei­nen UFMn-Flow als struk­tu­rier­ten Input in Make ein­brin­gen. Und um­ge­kehrt: wenn Make Screens ge­ne­riert, gibt es kei­nen au­to­ma­ti­schen Weg, dar­aus eine sau­be­re UFMn-Struk­tur ab­zu­lei­ten.

Dabei wären genau das zwei sinn­vol­le Rich­tun­gen. Ers­tens: UFMn als Ein­ga­be – ich be­schrei­be Flows in einer struk­tu­rier­ten No­ta­ti­on, die KI ver­steht die Logik da­hin­ter. Zwei­tens: UFMn als Aus­ga­be – Make ge­ne­riert nicht nur Screens, son­dern auch die ent­spre­chen­de Pro­zess­do­ku­men­ta­ti­on.

Pro­to­ty­pen lösen das Pro­blem nicht. Sie sind nütz­lich, aber das Grund­pro­blem in der Zu­sam­me­n­a­r­beit – wer ver­steht wie der Pro­zess wirk­lich funk­tio­niert – bleibt be­ste­hen, so­lan­ge die Über­g­a­be nicht struk­tu­riert ab­läuft.

Viel­leicht ist das nur eine Frage der Zeit. Viel­leicht wird sich das ir­gend­wann von selbst lösen. Viel­leicht braucht es dann weder das eine noch das an­de­re. Ich weiss es nicht – aber ich finde die Frage wich­tig genug, um sie jetzt schon zu stel­len.